Vespa World Days in St. Tropez

Ausfahrt mit einem ungeliebten Kind - oder eine lange Fahrt mit der 90-er Jahre-Entschleunigungsmaschine

 Und das kam so:

Fahrt nach Innsbruck mit dem Raumschiff X8 400 geplant, losgefahren und dann mit Getriebeschaden in Giengen/Brenz abgestellt. Nach 3 Wochen kam der Roller zurück nach Giessen und dann waren auch alle Teile schon da. Der Feiertag lockte und wurde auch genutzt. Es waren nur noch wenige Tage bis zur Abfahrt nach St. Tropez und letztlich waren nur 40 km Probefahrt zu machen.

Soll ich oder soll ich nich ….. hm, hm, hmmm - einmal abschleppen pro Quartal reicht eigentlich. Also dann – da steht ja noch die COSA (Bj 94, 198 ccm, 12 PS), zugelassen und getüvt – und anspringen tut se ja auch. Am Sonntag  noch den Gepäckträger abgestützt, Werkzeug und Teile zusammengesucht.


Am Montag ging nix, weil für die Firma unterwegs, aber am Dienstag mal Probegepackt. So wie früher mit Rucksack etc.. 

Okay – die bisherige Tourplanung gilt nicht mehr. Es war ja noch Erfahrung vorhanden von der seeligen „Eurovespa 1995“ in Aix-en-Provence, damals mit der originalen Sprint 150 gefahren. Das ist  gar nicht so weit weg von St. Tropez.

Mittwoch früh bei Nieselregen Abfahrt! Autobahn bis Mulhouse – aber das mieseste Stück war die gleich nach 10 Minuten die Baustelle auf dem Gießener Ring und das Stop-and-Go bis Butzbach. Danach rollte es dann ohne nennenswerte Hindernisse bis nach Frankreich. Die Route war:

Gießen – Frankfurt – Rastatt – Freiburg – Müllheim und dann links ab ins Franzosenland, nach Mulhouse. Später stellte sich heraus, dass Toni und Tim mich in der Gegen um Freiburg im Auto überholt haben. Über Belfort und Besancon – alles über Land mit Route Napoleon/National bis nach Quingey. Zelt auf´m „camping communal“ aufgebaut und dann entspannt. Im Städtchen gab eine hübsche Pizzeria  und da gab´s dann auch was für mich. Die Tagesetappe hatte eine Länge von ca. 530 km – aber ohne Ermüdungserscheinungen.  Sehr früh – so um 4 Uhr wurde ich vom sanften Tröpfeln des französischen Landregens geweckt. Nochmal umgedreht – geht schon weg. Klappte nicht. Um 9:30 geht´s dann weiter. Lons-le Saulnier, Amberieu, Voiron, Grenoble, Col-de-la-Croix (1176m), Sisteron, Chateau –de-Arnaux – das alles zu 95% im Regen mal wenig aber überwiegend stark.  Tagesetappe ca. 420km. War im Regen nicht sooo lustig – aber überraschender Weise hat´s auch viel Spaß gemacht. Die Landschaft war toll, es gab jede Menge zu sehen. Klasse war´s in einer kleinen  „Schaubäckerei“ südl. von  Bourg-en-Bresse. Zu Mittag nahm ich 2-3 Tassen Kaffee und leck´ren Kuchen. Helm, Handschuhe und Jacke waren aufgehängt. Nun es war ja feucht gewesen … Während der Pause kam jemand 3 Mal vorbei um das rausgelaufene Wasser weg zu wischen.



Pardon, Pardon!

Klasse war auch die Zwangspause am Nachmittag. Irgendwo zwischen Amberieu und Grenoble, wurde die Straße  komplett gesperrt und erstmal passierte gar nichts. Dann  tauchte das erste Tier einer größeren Kuh-Herde auf.  Nach ca. 10 Min. ging es weiter und natürlich war die Straße durch den Viehtrieb extrem glatt geworden.

3. Tag – heute wollte ich in St. Tropez ankommen. 9 Uhr 30 Abfahrt in Richtung Digne-les-Bains und von dort über Barreme, über Col de Legues nach  Castellane, Trigance, Camps-sur-Arturby, Montferrat, Draguinan, Le Muy (nur noch 35 KM!! J), St. Maxime und über die total dichte Küstenstraße nach Port Grimauld. Hier muss „man“ sich unbedingt an die speziellen Gewohnheiten der anderen 2-Radfahrer gewöhnen. Überholen in 2. und 3. Reihe über den gesperrten  Mittelstreifen ist die Regel! Nicht zu viel oder zu früh blinken!! Es gibt immer einen der größer und schneller ist, am Auspuff schnüffelt  und dann  nicht mehr bremst.  Da wirklich alle aufpassen passiert da auch nichts. Tagesetappe ca. 200 km.

Klar – ich war insgesamt eher langsam unterwegs – aber ich hab´s genossen. Es hat sich aber gezeigt, dass „man“ bei dieser Fahert sehr viel sieht und mitbekommt. Echte Entspannung vom Alltag und tatsächlich eine sehr schöne und gute Art der Entspannung. Sozusagen: meditatives Vespa-fahren aber dabei:  Aufpassen auf den Straßenverkehr, auf den Motor hören, das Popometer nicht vernachlässigen und natürlich noch auf Sprit und  Öl achten. Okay und dann erst die Gedanken fließen lassen.

  

Die VWD selbst beschreib ich später ….

Sonntag-Morgen, die Belegschaft vom Platz wird Wach. Frühstück machen, Kaffee mit dem Kocher aufsetzt und die Sachen genauso platzsparend zusammenpacken wie auf der Hinfahrt. Noch ein Blick auf das ruhige Mittelmeer, die Allee mit den Palmen. Ein letzter Blick zurück – schade schon wieder herum die schöne Zeit auf dem Fest. Der Plan ist wieder in den Grand Canyon du Verdon zu fahren. Die Panoramastraße enttäuscht mich nicht. Es ist eine überaus schöne und beeindruckende Landschaft. Draguignan – Montferat-Camps-sur Arturby –Trigance und dan nach Aiguines. Der Blick von da oben auf den Lac-de Ste-Croix war einfach atemberaubend. Könnt Ihr mir ruhigglauben  …. und ich bin jetzt nicht unbedingt der allergrößte Naturliebhaber.

      


20-30 km weiter – um die Mittagszeit, bei Manosque – fahre ich an einer Tankstelle vorbei und sehe im vorbeifahren  GI XXX und GI  XXX. Stopp sagts Hirn, kurz gebremst und gewendet. Ei guude wie? Stehen da Friedhelm und Christine und lassen langkettige Kohlenwasserstoffe in die Tanks laufen. Die beiden waren 1/2 Stunde später als ich in St. Tropez losgefahren und auf der nördlichen Route des Grand Canyon du Verdon gefahren. Da meiner einer sowie langsamer sein würde war klar, dass die beiden allen weiterfahren würden. Mein Route führte mich dann an diesem Tag noch über Gap bis nach Grenoble. Kurz hinter Gap – an der Auffahrt zum col de Bayole erwischte mich aber noch ein kräftiges Gewitter. Der Pass  ist zwar nur 1.246 m hoch aber recht steil. Und der laufenden Wechsel zwischen 2. und 3. Gang, bei Geschwindigkeiten von 35 – 43 km/h ist bei trockenen Wetter schon anstrengend. Aber: mit heftigem Regen, ca. 2-4 cm Wasser auf der Gasse, laufend beschlagendem Visier iund klatschnassen Handschuhe ist das schon schwieriger. Blitz und Donner waren (scheinbar  weit weg) aber immer noch ziemlich hell und laut.  Na ja – bis Grenoble – so gegen 20 Uhr - war ich ja schon wieder ziemlich trocken. Eigentlich wollte ich ja noch ein paar km weiter fahren. Aber bei Voreppe kam dann wieder ganz dicke herunter.  Umliegende Berge verschwanden zeitweise komplett, die Täler wurden quasi „durchgeputzt. „Gerettet“ hab ich mich dann in Lokal zur Goldenen Möwe und ein bisschen getelegrammt.  Dabei kam dann heraus, dass Christine und Friedhelm ca. 800m oder zwei Kreisverkehre weiter im Hotel waren. Ein Zimmer war noch frei und damit waren Abendessen, trockenes Bett und Frühstück und ein schöner Abend zu Dritt gerettet.

Dafür zickt die Cosa immer mehr herum.  Schon in St. Tropez gab´s keine richtigen Leerlauf mehr und irgendwie drehte die Kiste ruck-zuck ohne Gang hoch. Falschluft! Den Vergaser machte ich dann mit einem BE3 – Mischrohr und 105-er Hauptdüse ziemlich fett. 20-30% Gas reichten für ca. 80 km/h.  Na ja -  verbrauchsmäßig war´s dann mit ca. 3,5 Liter ganz gut … ;-)

 


Fahrbar war´s nicht so  toll. Innerstädtisch (Besancon:  20 Ampeln, rote Welle wie in Giessen:  Motor aus, Motor an, Motor aus, Motor aus …..… )  war die Kiste abzuwürgen – Zündung aus reichte zwei- dreimal mal nicht.  12 PS können schon manchmal schlecht zu bändigen sein. Während der ganzen Fahrt gab´s dann ein paar Wheelies, die von der Umwelt mit gewissem Erstaunen wahrgenommen wurden.

Nach einem guten ausgiebigen Montags-Frühstück verabschiedeten wir noch 2 Briten auf ihren Vespen  und nach letzten Vorbereitungen machten wir uns zu Dritt auf den Weg gen Norden. Nicht lange und ich war wieder allein – hätte aber um ein Haar noch mein Gepäck verloren, das hing  schon auf „halb acht“ und  wäre bald runtergefallen.  Ach wie schön ist das Franzosenland wenn alle Tankstellen geöffnet sind, alle angezeigten Tankstellen auch wirklich da sind, und, und, und. Machen die aber nicht – französisches Benzin-Roulett eben. Da wirste doch zum Fach-Mathematiker  für Spritreichweiten. Reicht´s  oder reicht´s  nicht – also:  schieben musste ich nicht.

Wenigstens das Wetter macht – übrigens auf fast der gesamten Rückfahrt am Montag -  mit, kein Regen mehr! Aber Heiss war´s. Später mehr dazu.

Später Nachmittag schon bald Abend, so etwa 30/40 km vor der Grenze geht’s wieder los mit der Motor-Stotterei  da zickt se´ wieder herum die alte „ZICKE“!! Grenze kommt, Rhein überquert und immer noch „Husten“  und ruckeln und mal am Gas und  mal wieder nicht. Die erstbeste Raststätte wird angesteuert – Vespist und Maschine werden aufgefüllt. Nach zwei Telefonaten wird das Bett bei den Schwiegerleuten für mich gerichtet.  Und dann rennt sie wieder als wär nix gewesen (ausser immer noch Falschluft). Aber hier die Erklärung: die Cosa ist bauartbedingt hitzeempfindlich, weil der Sprit im Schlauch Dampfblasen bilden kann wenn der Tank weniger als halb voll ist. Dann reicht dieser Druck nicht mehr aus um die Blasen zu verhindern. Bei Umgebungstemperaturen ab 30 Grad wird´s kritisch. Hier Deutschland hatte es kurz vor der Weiterfahrt geregnet, es war kühler und der Tank war voll. Bei Gerd und Gerda gab´s ein schönes Bett – lecker Schwarzwälder Bier und Essen und es gab viel zu erzählen. Dienstag  Morgen: nochmal Öl kaufen, bei Doris Bescheid sagen und ab die Post. Die letzten 270 km sind am frühen Nachmittag  überwunden.

Home sweet Home! War ´ne super entschleunigte Retro-Tour!


Vespa Roll! - Thomas