Im Winter zum Treffen - COOL!

Zelten im Winter - oder ein sechzigster Geburtstag mal ganz anders - auf dem alten Elefantentreffen auf dem Nürburgring.

Da ich schon Zeit meines Lebens immer mal zum neuen oder alten „Elefantentreffen“ fahren wollte, fasste ich den Entschluss mir mal selbst ein Geburtstagsgeschenk der besonderen Art zu machen. Der Besuch des alten Elefantentreffens an einem traditionellen und mit viel Benzingesprächen behafteten ehrwürdigen Nürburgring!

                

     Der Namensgeber "grüner Elefant" von               Anmedlung bei der Orga

     Zündapp

Heute wie damals vor ca. 60 Jahren finden sich dort alle die ein, die im Winter ein Zweirad, oder Dreirad bewegen. Wobei es völlig egal ist ob es ein Motorrad, Roller, Mofa, Moped oder Gespann ist. Wichtig ist, daß die oder der Verrückte es im Winter fährt.

         

  MOFA-Power! Piaggio Ciao 50 ccm                                                                               Moped-Power! Honda mit 110 ccm

Ich bin dann Freitag Vormittag (10.02.) an meinem Heimatort gestartet und konnte es am Anfang nicht verstehen, daß ich es tatsächlich machte. Vollgepackt mit allerlei Dingen die ich im Endeffekt nicht alle ihrer Bestimmung, benutzte oder gebrauchte. Ich hatte also den üblichen Koffer eines Pauschaltouristen gepackt, der die Hälfte seiner Bekleidung ungetragen wieder mitbrachte. Ich war gut eingepackt und dachte mir bei den ersten 20 km bei Minustemperaturen, es ist ja nicht so schlimm. Da hatte ich aber die Rechnung ohne Väterchen Frost gemacht. Dieser freundliche Mitfahrer fing dann an so ab ca. 30 km, ständig seine Präsenz klar zu machen.  Dieses äußerte sich in kalten Füßen, und Händen und der Körper kühlte dazu langsam, aber kontinuierlich aus. Erster Halt bei Limburg in einem der amerikanischen Spezialitäten Restaurant. Dann Kaffee bestellt mit einer Backware, irgendwas halt. Der Tenor lautete aufwärmen und der Kaffee tat wirklich gut. Dann waren die Glieder wieder einigermaßen in einen funktionsfähigen Zustand gebracht und die Reise konnte weitergehen. Nachdem ich die B49 bei Limburg hinter mich gebracht hatte fuhr ich dann weiter auf die A3/A48/A61 Richtung Koblenz, diese spulte ich relativ locker ab, denn an meinen erwähnten Mitfahrer habe ich mich dann gewöhnt. Ich habe dann aber auch festgestellt, wenn man gut eingepackt Autobahn fährt, dann können aber auch die Gedanken leicht ins Träumen geraten. Also fuhr ich in meine Gedanken versunken natürlich die A61 in die falsche Richtung, merkte dieses aber recht schnell und runter von der Autobahn und eine kleinen Parkplatz angesteuert. Mein Handy brachte mich zu diesem Zeitpunkt an den Rand des Wahnsinns. Aber ich erinnerte mich an Zeiten wo ich Menschen  nach dem Weg fragte. Ein LKW-Fahrer den ich ansprach, erklärte mir sofort, mit einem leichten Eifeler Dialekt den Weg. Ich hatte meine Handschuhe und Helm an einer Böschung abgelegt, als ich den Helm aufsetzte musste ich feststellen daß ein Handschuh leichten Kontakt mit einem Hundehaufen aufgenommen hatte, es soll ja Glück bringen, aber ich fand es nur ekelig. Aber der Weg ist das Ziel, Handschuh sauber machen und weiter geht es mit dem Roller. Also zurück auf die Bahn dann auf die A61 und Abfahrt Wehr/ Nürburgring genommen. Nur ich sah bei meiner Anfahrt keine  Motorräder, Gespanne oder Roller. Ich wurde unruhig, das verstärkte sich als mir auch noch ein Gespann entgegen kam. Dazu kam noch das ich sensibel auf Motorengeräusche reagierte, permanent lauschte ich nach meinem Piaggio-Master-Triebwerk. Im Gegensatz zu mir, kam die freundliche warmherzige Italienerin ausgesprochen gut mit Väterchen Frost klar und sie verrichtete absolut problemlos ihre Arbeit. Der Motor summte und es war ein absoluter Genuss den Roller zu fahren. Beinahe hätte ich die unscheinbar wirkende Einfahrt des Campingplatzes verpasst.

   

  Zelt - noch ohne Schnee!

   

 

  Lauter Verrückte am Start!

Aber der Anblick der vielen Motorräder und Gespanne, ließ mich dann doch schnell reagieren. Dann Parkplatz gesucht, Roller aufgebockt, angemeldet und schon saß ich wieder auf meiner X8, dann den Schlagbaum passiert  und rein in das Terrain. Der Frost in meinem Körper war schlagartig vergessen und ich folgte dem Ratschlag eines Bekannten: .. „ fahr hoch zum Organisationszelt da oberhalb ist der Campingplatz schön eben und die Toiletten und Duschen sind nicht weit weg!“.  Beim Anfahren merkte ich das selbst leicht unbefestigte Naturwege meinem Piaggio X8Evo nichts ausmachten und auch Steigungen nahm der Roller ohne Probleme. Kurze Orientierung und gleich abgebogen in eine kleine Campingfläche, beim ersten Zelt gehalten und drei sehr robust aussehende Männer angesprochen. Das Glück des verschmutzten Handschuhs kam zu mir, alle drei zuckten mit den Schultern und sagten einstimmig, Francaise. Ich erinnerte mich - irgendwann bist du mal, mit mäßigem Erfolg mit dieser Sprache belästigt worden. Ich den Mut des verschmutzten Handschuhs aufgenommen und los. „Puis-je construire ma tente hier“ -  oh man was musst das blöd geklungen haben. Alle drei öffneten die Arme und sagten „no probleme“ und zeigten über den Platz. Also freien Platz gefunden und Roller abgestellt, ich musste wirklich grinsen, ich war da. Also Zelt aufgebaut und die Unterlage zusammengestellt erst eine Iso Matte mit Alubeschichtung, dann eine Schaumstoff Matte, dann noch meine alte Bundeswehr Faltmatte und zum Schluss eine Plane meines Bundeswehrzeltes. Darauf mein -5 Grad Komfort-Schlafsack mit kleiner Decke. Die unnützen Dinge ins Zelt geworfen und jetzt Rundgang über den Platz.


SCHNEE - überall SCHNEE!!

Was mir sofort aufgefallen war, wie viele Nationen dort waren und das sich Menschen, obwohl sie die Sprache des anderen nicht sprechen, sich unterhalten können. Ich hätte auch nie gedacht das es so viele Gespannfahrer in Deutschland gibt und es setzte sich so ein kleiner Virus in meinen Kopf der mir sagte, so ein Beiwagen wäre auch was für deinen Roller. Als ich wieder zu meinem Zelt zurückgekommen war und ich meinen Kocher auspackte um mir etwas zu brutzeln, kam ein Motorradfahrer vorbei und sprach mich an was ich da so treibe und nahm mich gleich mit an ein Lagerfeuer wo ein Gulasch vor sich hin köchelte. Daraufhin wurde ich aufgefordert mein Kochgeschirr, was eben noch auf meinem spärlichen Kocher stand, hinzuhalten um mir einen Kelle von dem Gulasch einfüllen zu lassen. Die Brocken in dem Gulasch waren so groß, das es jedem Vegetarier die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte. Abends saß ich noch am Lagerfeuer vor dem Orga-Zelt und kam mit dem einen oder anderen vom Organisationsteam  (E-Team) ins Gespräch. Als die Anwesenden erfuhren, daß ich meinen sechzigsten Geburtstag auf dem Elefantentreffen feierte, wurde schnell ein kleiner Chor organisiert der mir das bekannte Geburtstagslied zum Besten gab. Ich fühlte mich auf einmal angekommen auf dem Elefantentreffen und habe so viel Herzlichkeit und Freundlichkeit erfahren das mir die Erinnerung immer noch ein lächeln auf mein Gesicht zaubert. Außerdem bekam ich zu meinem Geburtstag gleich einen Aufnäher und Aufkleber geschenkt.

Zu fortgeschrittener Stunde und bei mittlerweile -5 Grad begab ich mich zu meinem Zelt und kroch in meinen Schlafsack. Meine Gedanken beschäftigten sich eher mit der Frage: ist mein Schlafsack auch warm genug? Ich wurde schnell beruhigt, er war es. Nachts wurde ich von einem leichten punktuellen Geräusch geweckt, welches an mein Zeltdach leise klopfte. Ich dachte Regen, bloß kein Regen, ich hasse Regen wenn ich zelte. Alte Erinnerungen kamen in mir hoch, von nassen Schlafsäcken und  undichten Zelten. Ich dachte mir dann noch, Regen wirft doch keinen Schatten im Mondlicht und Regen bleibt doch auch nicht auf dem Zeltdach liegen.

Es wird doch kein Schnee sein, oh Gott Schnee. Da ich eh mit dem Schicksal des Campers konfrontiert wurde, der Abends zu viel Flüssigkeit zu sich genommen hatte, musste ich aus meinem Schlafsack, bei -5 Grad ein einziges zitterndes Vergnügen.

      

Also mutig wie ich war, Reißverschluss auf und der Blick viel auf einen total verschneiten Campground. Was dann kam muss  ich nicht näher hier beschreiben. Dann wieder rein in den Schlafsack und die Wärme in mich aufsaugend eingeschlafen. Am nächsten Morgen blickte ich eine wundervolle verschneite Eifellandschaft und in zufriedene Gesichter der Anwesenden. Dann raus in die Kälte, Klamotten an und Kocher angeworfen. Der Bacon mit Rührei schmeckte vorzüglich und dann noch schnell einen warmen Kakao gemacht und der Tag war mein Freund.

   


Jetzt an die Zeltpflege, Schnee nicht abstreifen, sondern durch Bewegung mit der Zeltstange abklopfen. Morgen-Toilette konnte ich sehr gut wahrnehmen, denn auf dem Campingplatz gab es Toiletten, Duschen und genügend Waschbecken um sich frisch zu machen. Ein absolutes Kompliment an den Platzbetreiber, der es immer schaffte die Toiletten und Duschen in einem Top Zustand zu halten. Bei einer Besucherzahl von 1200 Menschen bestimmt keine leichte Aufgabe.

Viele Gespräche wurden geführt und es wurde dann langsam Zeit für den Spielenachmittag. Ich begab mich auf die Suche, wo denn das Zelt sei wo man spielen konnte. Nichts war es mit Mensch Ärgere dich nicht, oder Kartenspiele. Pust, der Kelch ging an mir vorüber, da ich persönlich keine Tischspiele mag. Also bewegte ich mich auf eine Freifläche und da sah ich schon die Massen der spielsüchtigen. Es waren absolut aktive und verrückte Spiele die dort abliefen. Mohrenkopf -Wettessen, Eier einander zuwerfen, ohne daß sie Schaden nehmen, Tauziehen, Bierfass-Weitwurf usw. Näheres kann man sich bei Youtube „altes Elefantentreffen 2017“ anschauen. Das alles wurde mit viel Spaß und Gelächter vollzogen und natürlich bei starkem Schneefall.

Nachdem dieser Nachmittag gut durchlebt hatte und ich auf einmal eine Lust verspürte eine Cola zu trinken, begab ich mich in ein Bierzelt, der am Campingplatz gelegener Kneipe. Holte mir in dem fast leeren Bierzelt eine Cola und setzte mich an den Tisch um das schwarze Wasser aus den amerikanischen Bergen zu genießen. Kaum hatte ich meinen Platz eingenommen kamen zwei mit Pommes und Frikadellen beladenen Motorradfahrer aus dem Ruhrgebiet herein uns setzten sich spontan zu mir.

Wie kamen rege ins Gespräch, da sie Mitglied in einem Motorradclub waren und ich auch ein bisschen, aus meine jungen Jahren berichten konnte. Das Gespräch zog sich etwas länger hin und so konnten wir gleich zur Preisverleihung und Totenehrung gehen. Erst wurden dort die Preise des heutigen Tages vergeben und dann wurden die Namen der verstorbenen, tödlich, verunglückten Zweiradfahrer verlesen. Das ganze begleitet mit Fackeln und einer Schweigeminute. Ich bin in solchen Sachen eher hartgesottener, aber das ging auch mir unter die Haut. Der sogenannte Fackelzug der für die Verstorbenen mit Gespannen durchgeführt werden sollte, entfiel dieses Jahr wegen des extremen Schneeaufkommens.

Ich wurde von den beiden MC Fahrern noch an ihr Lagerfeuer eingeladen und wir konnten uns super unterhalten, dabei legten sie noch etliches Köstlichkeiten auf den Grill und ich wurde spontan dazu eingeladen die Verpflegung zu vernichten. Mit der Begründung, mach dir nichts daraus wir können das ja nicht wieder mitnehmen.

Nach fortgeschrittener Stunde legte ich mich wieder in meinen Schlafsack und begann die Prozedur der vergangenen Nacht.

Am nächsten Morgen war das Zelt schnell abgebaut nur, der Schnee war noch stark vorhanden und die Fahrwege eher glatt gefahren. Ich sah viele auf Hochleistung und mit Equipment vollgestopften Super-Adventure-Enduros die Probleme bei der Ausfahrt aus dem Campingplatz hatten. Vor mir viel auch gleich ein BMW GS auf die Nase und das hielt so bei dem einen oder anderen an. Man dachte ich mir, du mit deinem Automatikroller, hier auf der glatten Piste, ob das was wird? Also allen Mut zusammengenommen rechts und links die Beine runter, wo die Canadaboots durch den Schnee rutschten und los. Wider Erwarten am der X8 super klar mit dem Untergrund und ich zog, mit kleiner Dosierung des Gashahns am Enduro Pulk vorbei. Noch eine kleine Anhöhe musste ich nehmen, das war auch absolut Problemlos. Nur zwischendrin musste ein PKW mit Anhänger die Fahrspur blockieren, so daß ich auf eine kleinen Grünfläche der abgebauten Zelte, leicht ins rutschen kam, aber selbst das brachte mich nicht in große Schwierigkeiten. Als ich auf der Anhöhe der Ausfahrt stehen blieb wurde ich gleich von zwei Enduristen angesprochen, Mensch was ist das denn für ein Ding der zieht ja voll durch. Mit diesem kleinen Kompliment fuhr ich dann wieder Richtung Heimat. Die Heimfahrt gestaltete sich eher langweilig und ich bin wieder gut angekommen.

Was nehme ich mit, von dem alten Elefantetreffen? Du bist auch wenn du alleine fährst, dort nie allein. Wildfremde Menschen, gleich welcher Nation, sprechen dich an und wollen auch den Kontakt. Meine Ausrüstung muß ich ein bisschen verbessern unter anderem die Kocherabteilung. Ich habe ein absolut friedliches und harmonisches Treffen erlebt.  Ich denke unser Club lebt vom Rollerfahren egal ob Schalter, Automatik, Plastik oder Blechroller, wichtig ist das ihr ihn rollen last. Ich lade alle herzlich ein, auch von anderen Vespa Clubs, nehmt mit mir Kontakt auf und wir fahren zusammen zum alten Elefantentreffen 2018. Ich wollte es nicht glauben, ich habe den Virus des Winterfahrens entdeckt. Wenn mich jemand fragt, du bist doch Verrückt, dann kann ich nur antworten, stimmt ich bin verrückt!

Es waren:

1500 Teilnehmer vor Ort

Viele oder besser, sehr viele Motorradgespanne, einige Enduros wenige Roller, Mopeds und Mofas - aber alle sind sie verrückt, die bei Schneefall jubeln.

Euer Fahrtenleiter Wolfgang Nacke