Vespa World Days 2007 in SAN MARINO

Die Eurovespa bzw. „Vespa World Days“ haben dieses Jahr echte Anforderungen an Geduld und Durchhaltevermögen gestellt. Nenntermin, die Art der Nennung und hier ganz besonders ein kompliziertes Anmeldungs- und Zahlungsverfahren waren eine echte Herausforderung.

Die Bankverbindung war nicht korrekt, es gab zunächst eine Teilnehmer-beschränkung auf 2.000 Leute (die dann kurz vor knapp aufgehoben wurde), die Fax-Nummern waren nicht eindeutig. Auch meine Bank-Überweisung kam als nicht akzeptiert zurück – aber ich wollte trotzdem hin.

Mein Terminplan ist wie immer relativ eng – Donnerstag losfahren – Montag-Abend wieder zu Hause sein, denn Dienstag geht´s wieder zur Arbeit. Die kürzeste Route ist Frankfurt, Würzburg, A7 bis Kempten, Fernpass, Innsbruck, alte Brennerstrasse, Bozen, Verona, Ferrara, Rimini, San Marino – ca. 1.150 km für eine Strecke. Am ersten Tag komme ich dann bis Brixxen, nehme den selben Zeltplatz wie schon 1992 bei der EV in San Marino. Damals sind wir mit 18 Giessenern mit Rollern angefahren!

Die ersten Roller sehen ich dann erst kurz vor Verona – 2 Berliner GTS ziehen bei ca. 100 km/h recht überlegen an mir vorbei.


Die Fahrt bis nach San Marino findet dann unter sengender Sonne bei bis zu 35 °C im Schatten statt. Ein vollklimatisiertes Einkaufscenter in Ferrara bietet mir für 1 Stunde Gelegenheit zur Erholung und Abkühlung. Viel Trinken ist die Devise! Gegen 17 Uhr dann Einlaufen in San Marino, vorbestellten Campingplatz entern und erst mal umschauen. Familie Kolb (Wohnmobil) ist schon da und wir haben zusammen ein sehr schönes Abendessen (war schön bei Euch!). Neben mir hat Jakob Röskes (VC Oedt) sein Zelt aufgeschlagen, er ist auch mit dem Roller da.

Insgesamt ist die deutsche Fraktion lange nicht so stark vertreten wie in Turin; sehr viele von denen die da sind haben verladen. Naturgemäß stellen die Österreicher wohl das größte ausländische Kontingent; keine Maschine ist original – man glaubt ja gar nicht wie groß ein Auspuff sein kann ;-). U.a. mit zwei Leuten aus Polen (VC Warschau) – gekommen mit PX 200 - verbringe ich dann auch den Freitag-Abend.

Am Treffplatz das übliche Gewusel mit Teilnehmern aus ganz Europa. Es gibt nur das „Du“ zwischen den Vespisti, englisch-italienische Halbsätze, beschreibende Gesten und rollende Augen ersetzen zumeist fundierte Sprachkenntnisse.

Alle Artikel aus der „Nenntüte“ können übrigens ganz offiziell einzeln erworben werden – zu etwa 30 % des Nenngeldes. Die SM-Polizisten fahren doch tatsächlich LX und GTS als ganz offizielle Dienstfahrzeuge. Man glaubt es kaum – die kontrollieren auch stark und ziehen „illegales“ aus dem Verkehr !

Ein echtes Erlebnis war der Corso (Samstag) in die nächste Umgebung von SM mit Besuch des dortigen Flugsportvereins. Die Fahrt ging um dem Monte Titano herum, auf dem San Marino steht. Spitzen-Wetter mit Sonnenschein und frischer See-Brise (das M-Meer war zu sehen) machte das ganze zu einem super Erlebnis. Die Fliegerschau mit 3 Propellermaschine war der Hammer. Starts und Landungen waren mit 30 m Abstand zu erleben. Die Kunstflugmanöver waren am klaren Himmel gut zu verfolgen. So ca. 2 – 2.500 Roller waren dann sicher bei dem Corso. und nachher auf dem Platz zu sehen.

Am Sonntag morgen ging´s dann um 7:30 früh los. Es war schon wieder sehr warm  - so um die 25 °C – es gab Rückenwind; die Kiste lief super gut, so um die 105. Und, nach ca. 50 km, zack! Klemmer! Kupplung gezogen, Motor aus.

Eine geschlossene Tankstelle spendet Schatten und Gelegenheit zum nachsehen. Erst mal alles abrödeln und nachsehen. SMS nach Hause: „Klemmer – Rückfahrt wird spannend!“ 1. Versuch geht dann für 10 km gut – dann wieder Klemmer. Also alles noch mal – aber jetzt wird die Haube auf´s  Gepäck geschnallt, Vergaser noch etwas fetter eingestellt. Das hält dann schließlich bis Giessen.

Spitze Kurven- und Landstrassenfahrten auf den Landstrassen bis nach Verona entschädigen für alles. Brennerstrasse, Innsbruck, Fernpass und dann, bei Dämmerung wieder in Deutschland. Unterkunft zu bekommen ist ab 21 Uhr problematisch, also weiterfahren bis es nicht mehr geht. Schließlich strande ich in der Raststätte Lonetal und warte den Regen ab. Nach 4 ½ Stunden Rast mit Schlafpause geht´s dann weiter und um 11 Uhr steh´ ich wieder, müde und geschafft, vor meiner Haustür.

Tips zu Italienfahrten

Generell kann heute gesagt werden, dass Norditalien einen Entwicklungstand hat wie Süddeutschland oder Österreich. D. h. sehr gute Verkehrswege und Versorgungsmöglichkeiten. Ca. 50 km unterhalb der Linie Mailand – Verona ist Italien mehr oder weniger agrarisch orientiert ( ausgenommen natürlich die Ballungszentren Rom, Neapel u. s .w.).

Wer kleine Landstrassen liebt, kurze, knackige S-Kombinationen – der findet auf den Landstrassen südlich von Verona sein Revier! Die SS 12, und SS 482 teilweise auch die SS 16 bieten hier über viele Kilometer sehr viel Fahrspaß. Der Straßenzustand ist meist besser als bei den doppelspurig ausgebauten Strecken. Stundenlanges Fahren ohne Langeweile ist garantiert. Ebenso ist die alte Brennerstrasse zwischen Innsbruck und Verona ein echtes Erlebnis! Laufendes Kurvengeschlängel, bei mäßigen Steigungen machen auch hier stundenlangen Spaß! Praxistip dazu: Ersatzkanister sind eine echte Hilfe, denn an Wochenenden hat die Mehrzahl der kleinen Tankstellen geschlossen. Karten werden sehr häufig nicht akzeptiert – hier ist Bargeld gefragt, bzw. Papiergeld (am besten 5 €-Noten) für Automaten-Tanken. In Italien sind die Tankstellen zumeist wie bei uns in den 60-70-ern reine Treibstoff-Dealer! Wer also nichts zu beißen oder zu trinken dabei hat findet das nicht an der Tankstelle!

Zwingend erforderlich ist aber der Besitz von aktuellen Straßenkarten! Weil – ausschildern – so wie wir das gewohnt sind – das bringen die einfach nicht zu Stande! Die Beschilderung ist nicht konsequent, manchmal steht dort die nächste Gemeinde, dann nur wieder das grobe Richtungsziel (z. B. Verona) auf den Schildern. Der laufende Kartenabgleich rund um Verona und Ferrara hat mich gut und gern jeweils eine ¾ Stunde gekostet. Christoph erzählte mir das sein NAVI irgendwann gar keine Auskunft mehr geben konnte.

Auch im Land der Vespa ist es im übrigen nicht so einfach Vespa-Werkstätten oder –händler zu finden! Exakt einen habe ich am Wegesrand entdeck (in Sterzing)! Es ist also zweckmäßig ein paar Standart-Sachen dabei zu haben.

Thomas/Bärtiger